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Treffen mit SPD-Vertretern aus Bund, Land & Kreis

„Wir wollen den Menschen wieder Lebensfreude beibringen“

Hotel- und Gastro-Vertreter der Region treffen sich mit SPD-Abgeordneten

Die wichtigste Botschaft für die Mitglieder des Pinneberger DEHOGA-Kreisvorstands gab es jetzt beim Meinungsaustausch mit den drei SPD-Abgeordneten Ralf Stegner (Bundestag), Thomas Hölck (Landtag) und Hans-Peter Stahl (Vorsitzender der Kreistagsfraktion) erst im letzten Teil des Gesprächs, Dann viel die Botschaft aber klar aus: „Ich werbe in Berlin dafür, die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants beizubehalten“, erklärte MdB Stegner, und auch Kollege Hölck machte deutlich: „Dafür setze ich mich ein.“

Bei den Gastronominnen und Gastronomen sorgte diese klare Positionierung für vorsichtiges Aufatmen, denn viele der DEHOGA-Mitgliedsbetriebe haben derzeit Probleme. Dazu gehören noch nachzuholende Investitionen aus der Corona-Zeit, Schwierigkeiten Mitarbeiter und Nachwuchskräfte zu finden und auch die hohen Energiepreise. „Bundesweit hat unsere Branche in den letzten Jahren 16 Prozent der Betriebe verloren. Und der Realumsatz liegt aktuell unter dem Niveau von 2019“, beschrieb DEHOGA-Kreisvorsitzender Christoph Dettling, der zusammen mit seiner Familie das Haselauer Landhaus betreibt, die Lage. Und leider seien die Referenzzeiträume für die Energiepreishilfen für die Branche ungünstig gewesen. „Da wurde die Corona-Schlussphase mit den geringen Energieverbräuchen noch mit einbezogen“. Grundsätzlich hätten die Staatshilfen vielen Betrieben aber sehr geholfen. „Ohne diese Unterstützung und insbesondere das Kurzarbeitergeld in der Corona-Zeit wären viele von uns nicht mehr am Markt.“

Inzwischen bremst vor allem die Inflation das Geschäft, da viele Menschen das Geld zusammenhalten und den Gang ins Restaurant scheuen oder beim Urlaub sparen, machte Heike Thormählen vom Elmshorner „Sibirien“ deutlich. Sie hat den Eindruck, dass manche Kunden dabei auch etwas überängstlich sind, und wirbt deshalb dafür, die Lage nicht schlechter zu reden als sie ist. Ihr Plädoyer: „wir wollen den Menschen wieder Lebensfreude beibringen!“

Zu den positiven Entwicklungen zählen Thormählen und ihre Kolleginnen und Kollegen unisono das neu Fachkräfteeinwanderungsgesetz. „Der Hotel- und Gastro-Bereich ist ohne zugewanderte Beschäftigte überhaupt nicht denkbar“, betont DEHOGA-Landespräsident Axel Strehl, der auf Einladung Dettlings an der Runde teilnahm. „27 Prozent unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen ursprünglich aus dem Ausland.“ Das Gesetz schafft neue Wege für die Einwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten und tritt ab November schrittweise in Kraft – für die Branche keinen Tag zu spät.

Bleibt das Problem, die Fachkräfte, die hoffentlich kommen, auch unterzubringen. Diese Herausforderung stellt sich insbesondere für die Auszubildenden der Betriebe, wie die Tangstedter Gastronomin Martina David eindrücklich schilderte. Sie führt das Traditionshaus „Sellhorns Gasthof“ und hat sich persönlich mit auf die Wohnungssuche für ihre Azubis gemacht. „Aber man läuft ja wirklich gegen eine Wand“, beschreibt sie die Situation. Ihre Bitte daher: „Da muss die Politik sich kümmern. Denn das Problem lösen wir nicht auf den Dörfern.“

Dem konnten die Sozialdemokraten zustimmen, wenn auch mit dem Hinweis, dass nicht nur in den Städten, sondern auch in den Gemeinden sozialer Wohnungsbau möglich ist. „Aber wir unterstützen gerade den Ansatzpunkt, beim Wohnungsbau mehr für junge Menschen in der Ausbildungsphase zu tun. Denn für uns gilt: Kein Studium und keine Ausbildung darf am mangelnden Wohnraum scheitern“, so die klare Ansage von MdB Stegner. Sein Landtags-Kollege Hölck berichtete, dass der Bund gerade ein mit 500 Millionen Euro unterlegtes Förderprogramm für „junges Wohnen“ aufgelegt hat. Zielgruppe: Studierende und Auszubildende. „Da muss das Land jetzt in die Puschen kommen und nachlegen“, fordert der SPD-Mann. Und mit einer konkreten Maßnahme will er dabei erreichen, dass die Azubis tatsächlich auch profitieren. „Es gibt zwar Studentenwerke, aber keinen einheitlichen Azubi-Träger. Das müssen wir ändern: Der Norden braucht ein Azubi-Werk.“ Die gesetzliche Grundlage dafür kann auf Länderebene geschaffen werden. Und muss, wie Hölck findet: „Was in Hamburg klappt, kann auch bei uns funktionieren! Das ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Schritt, den wir auch in Schleswig-Holstein machen sollten.“

Dafür, „junges Wohnen“ nicht nur als städtischen Anliegen zu begreifen, sondern auch bei der Dorfentwicklung mitzudenken, plädierte SPD-Kreistagsfraktionschef Hans-Peter Stahl: „Kreis, Städte und Gemeinden müssen im eigenen Interesse eine aktive Wohnungspolitik betreiben und dabei den sich verändernden Wohnbedürfnissen gerecht werden.“ Und auch das Land sei dabei in der Pflicht. „Aus Kreissicht müssen wir sagen, dass Schleswig-Holstein in der Wohnungsbaupolitik endlich eine klare Schwerpunktsetzung für das Hamburger Umland braucht, und dass die Mietpreisbremse wieder eingeführt werden muss.“

Für die Dörfer gehe es darum lebendig zu bleiben, so Stahl. „Dafür müssen die Kristallisationspunkte gemeinschaftlichen Lebens erhalten werden: Feuerwehr, Kitas, Grundschule und – wo noch vorhanden – der Dorfkrug.“ Insofern sei der Erhalt der gesenkten Mehrwertsteuer auch ein Stück Förderprogramm für den ländlichen Raum, befand Bundestagsabgeordneter Ralf Stegner mit einem Augenzwinkern. „Ein Grund mehr, sich in der Hauptstadt in diesem Sinne einzusetzen.“

Tauschten sich über die Situation der Hotel- und Gastro-Branche in der Region aus: Thomas Hölck, SPD-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter, Heike Thormählen (Gaststätte „Sibirien“, Elmshorn), Axel Strehl (DEHOGA-Landespräsident), Christoph Dettling (DEHOGA-Kreisvorsitzender, „Haselauer Landhaus“), Martina David („Sellhorns Gasthof“, Tangstedt), Ralf Stegner, SPD-Bundestagsabgeordneter, Claudia Böhm („Hotel im Winkel“, Elmshorn), Meike Ladiges („Ladiges Gasthof“, Holm), Fabian Sommer („Schönes Leben auf dem Lande“, Neuendeich) und Hans-Peter Stahl, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion.


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